Mittwoch, August 31, 2011

Einsamer Poet

Auch dieses Jahr habe ich bei dem Wettbewerb der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte teilgenommen. Wieder wird mein Gedicht in die diesjährige Sammlung aufgenommen.

Und wieder bin ich nicht in der Liste der Preisträger und gehe leer aus.
Hier mein - doch fast passender - Beitrag.

Einsamer Poet

Regale voll ungebundener Bücher
- der Freiheit wegen
Besoffen vom eigenen Intellekt

Sonntag, August 07, 2011

Trompete spielendes Nashorn

Vor einiger Zeit habe ich mir ein Notizheftlein zugelegt, um meine brillanten Ideen gleich zu Papier zu bringen und dann zu Hause in die von mir gewohnte hochliterarische Form zu bringen. Das war ein nicht gerade einfacher Schritt. Denn tatsächlich hat der herkömmliche Papier- und Schreibwarenhandel eine erbärmliche Auswahl an schönen Notizbüchern im Sortiment. Und ich wollte auf keinen Fall riskieren, dass mich, wenn ich meine scharfsinnigen Beobachtungen aufschreiben möchte und dazu mein kleines Büchlein zücke, sein Cover verspottet und mir alle Inspirationen aussaugt.

Samstag, Juli 23, 2011

Supermarkt

Während meines Studiums habe ich halbtags in einer Bäckerei gearbeitet, die an einen kleinen Supermarkt in der Nähe der Innenstadt angeschlossen war. Mir fiel schon früh auf, dass vor dem Eingang immer die gleichen düsteren Gestalten herum lungerten und auf kleine Gaben hofften. Eine Erklärung dafür war sicherlich die Tatsache, dass das Sozialamt nur etwa 30 Meter entfernt war. Ein anderer ausschlaggebender Punkt könnte aber wohl auch der Deal gewesen sein, den der Filialleiter mit der sympathischen Clique ausgehandelt hatte. Wenn diese nämlich abends dafür sorgte, dass vor den Eingangstüren das Laub und der angefallene Müll weggefegt wurden, gab es als Belohnung einen Kasten Bier. Der Pfand musste in unserem Supermakt dann wieder abgegeben werden. Das gehörte auch zur Abmachung und garantierte uns die ständige Anwesenheit der Herren, denn sie waren praktisch veranlagt und tranken die Flaschen einfach direkt vor Ort.

Donnerstag, Juli 21, 2011

Lesbische Liebe

Vor einigen Wochen musste ich in einer Abteilung aushelfen, in der ich mich kaum auskannte.
Gerade hatte ich meine Schicht angefangen, als ein langer, schlacksiger Mann auf mich zukam und fragte: "Sagen Sie, haben Sie auch Bücher über Homesexualität da? Speziell über die lesbische Liebe?"
Ich hatte eine leise Ahnung, wo wir solche Bücher haben könnten, lief los und hoffte inständig, dass sich das Ganze nicht zu einem Beratungsgespräch entwickeln würde. Der junge Mann folgte mir und führte seine Gedanken noch ein wenig aus: "Also eigentlich suche ich etwas, was den Frauen das Ganze erklärt, wissen Sie. Eher wie ein Sachbuch... Ich habe eine Freundin, die sich das nicht so recht vorstellen kann. Und ich brauche eine hilfreiche Lektüre dazu..."

Donnerstag, Juli 14, 2011

Vorstellungsgespräch

Im letzten Jahr hatte ich einige Vorstellungsgespräche. Eins von ihnen hat mir besonders gut gefallen.

Es war am Tag der Loveparade und nur einige Kilometer entfernt von Duisburg in einem kleinen Kaff, dessen Namen ich vorher noch nie gehört und im Anschluss auch gleich wieder vergessen hatte. Es ging um eine Ausbildung zur Buchhändlerin, die ich nach meinem Abschluss in Erwägung gezogen habe.

In der Buchhandlung angekommen wurde ich gleich mit eingespannt und durfte die Ladenschließung kreativ mitgestalten, indem ich die Präsentationstische von draußen reinschob und die Schirme abspannte. Ich persönlich fand mein Engagement wirklich vorbildlich.

Mittwoch, Juli 13, 2011

Fashion

In den letzten Tagen habe ich mich ein wenig im Internet umgesehen und musste feststellen, dass sich meine Traffic-Statistik im Vergleich zu der anderer Blogs doch sehr unterscheidet. An Tagen, an denen ich nichts veröffentliche, schauen etwa vier Personen vorbei, was schonmal nicht schlecht ist, denn vier sind besser als null. Realistisch betrachtet jedoch werden diese vier Personen vermutlich nicht jeden Tag die selben sein, die voller Hoffnung die URL meines Blogs eingeben und auf neue Posts warten, sondern eher zufällig durch eine Google-Suche (zum Beispiel nach einer Alice-Nummer oder dem Zahlenspiel auf kariertem Papier) auf meine Seite stoßen und sie auf Grund des vielen Textes und der fehlenden Bilder ebenso schnell wieder verlassen. Erfreulicher ist die Anzahl der Besucher an Tagen, an denen ein neuer Post erscheint. An diesen geht die Traffic-Kurve immer steil nach oben, um am nächsten Tag gleich wieder abzufallen.

Sonntag, Juni 26, 2011

Pink

Über das Lied "Dear Mr. President"

Die Symapthie der Welt für die amerikanische Politik grenzt offensichtlich beinahe an euphorischer Glorifizierung. Bei so einer unkritischen Gesamhthaltung müssen wir Pink geradezu dankbar dafür sein, dass sie ihr Party-Image für einige Wochen zugunsten einer neuen, noch nie dagewesenen, Weltverbesserer-Lebensphilosophie geopfert hat um der Welt die Richtung zu weisen.
Tatsächlich erinnert ihr Outfit in dem dazugehörigen Musikvideo an eine christliche Rock-Zopf-Birkenstock-Mentalität; eine Öko-Lady tritt für die Gerechtigkeit ein.

Braunkohle

In dieser Woche ergab sich ein interessantes Gespräch zwischen meiner Kollegin und einem Kunden.

Kunde: "Ich brauche einen Atlas."
L.: "Welchen denn?"
Kunde: "Wie, welchen denn? Deutschland ist Deutschland und die Welt ist die Welt."
Geduldig erklärte meine Kollegin einige Unterschiede.
Kunde (einsichtig): "Okay, darf ich mir dann mal die Deutschlandkarten anschauen und vergleichen?"
L.: "Aber natürlich, gerne."

Freitag, Juni 24, 2011

Träume

Mittwoch und Donnerstag hatte ich frei. Als der Wecker heute morgen klingelte, konnte ich es gar nicht fassen. Musste ich tatsächlich heute schon wieder arbeiten? Das konnte doch gar nicht sein. Und wirklich, ich hatte mich schnell wieder beruhigt. Schließlich hatte ich Urlaub und konnte so lange schlafen, wie ich wollte.

...oder etwa nicht?

Um viertel vor sieben stand ich unter der Dusche und verfluchte die fehlenden Brückentage im Einzelhandel.

Donnerstag, Juni 23, 2011

Zwischenstand

In dieser Woche musste ich schon mit einigen Enttäuschungen leben...

  • Jeder einzelne Tag war verregnet und ich hatte nur an einem den Schirm dabei.

  • Beim Lotto habe ich nicht eine Zahl richtig angekreuzt.

  • Trotz meiner hervorragenden Arbeit wurde mir weder eine Gehaltserhöhung noch eine Beförderung angeboten.

  • An meinem Schreibtisch ist kein großer Roman entstanden.

Sonntag, Juni 19, 2011

Sammelwahn

... oder wie ich versuchte, noch ein Buch ins Regal zu stellen.

In den letzten sieben Jahren bin ich sechs mal umgezogen. Kurz vor meinem zweiten Umzug starb der Vater eines Bekannten, der leidenschaftlicher Buchsammler war. Ganz im Gegensatz zu meinem Bekannten, einem Gärtner. Schnell mobilisierte er alle potentiellen Interessenten und lud sie in einen großen Lagerraum ein, wo er sein Erbe zum Verschenken bereit hielt. Als ich an einem Freitag Nachmittag kam, staunte ich nicht schlecht, als ich dutzende Bananenkisten voller Bücher auf den Tischen und dem Boden verteilt liegen sah.

Sonntag, April 24, 2011

Wuppis

Anfang des Monats hatte ich folgendes Gespräch mit einer Kundin:

Kundin: Ich brauche das Buch "Die Wuppies".
Ich (skeptisch): "Die Wuppis"? Hmm, das sagt mir jetzt nichts. Da muss ich im System nachschauen... Wissen Sie denn, wie man das schreibt?
Kundin: Nein, keine Ahnung.
Ich (gebe den Titel ein, finde nichts): Sie sind sich aber sicher, dass "Die Wuppis" richtig ist, ja?

Samstag, April 16, 2011

Arbeiten müssen wir alle

Seit einigen Monaten werde ich von einer Hamburger Nummer (04080804490) angerufen. Anfangs hatte ich nur alle paar Tage eine Benachrichtigung auf meinem Handy, doch nach und nach wurden die Zeitabstände immer kürzer. Irgendwann waren es mehrere Anrufe am Tag. Doch da sie immer während meiner Arbeitszeiten kamen, konnte ich sie nie entgegen nehmen. Ich gab die Nummer bei Google ein und fand etliche Forenbeiträge, in denen mein Problem diskutiert wurde. Angeblich stammte die Nummer von Alice und wurde (von wem auch immer) als "unersiös" eingestuft.
Letzten Monat hatte ich Glück. Es war acht Uhr abends und mein Handy klingelte. Ich hatte es sofort parat und ging ran.

Sonntag, März 13, 2011

Abrahams Wurstkessel

Schon als Teenager wurde mir gesagt, dass ich sicherlich nochmal dankbar dafür sein werde, dass mich Leute jünger schätzen als ich bin. Und für die meisten Frauen scheint es tatsächlich von enormer Bedeutung zu sein, nicht ihrem Alter entsprechend auszusehen. Doch während ich früher vielleicht für ein oder zwei Jahre jünger gehalten wurde, vertun sich die Leute mittlerweile um acht bis zehn Jahre. Beim Bier kaufen muss ich meinen Ausweis zeigen (tatsächlich wurde ich auch schonmal darum gebeten, als ich ein alkoholfreies Pils an die Kasse legte), ich werde immer gedutzt und wenn auf der Straße irgendwelche Tierschützer, Menschenrechtler oder Zeitungsaboandreher Geld für ihre Projekte haben wollen, werde ich regelmäßig gefragt: "Bist du schon 18?"

Dienstag, Februar 08, 2011

Anglizismen

Heute hatte ein Kunde einen Ausschnitt aus einer Zeitschrift mitgebracht, in der für ein spezielles Buch geworben wurde. Da er es nicht auf Anhieb bei uns finden konnte, sprach er mich an und ich schaute schnell am PC nach, in welcher Abteilung es stehen sollte. Dabei stellte ich fest, dass unsere Ausgabe ein anderes Cover hatte.
"Unseres hat zwar ein anderes Cover, ist aber inhaltlich gleich." erklärte ich ihm vorsorglich, weil solche Dinge hin und wieder zu Verwirrungen und dann zu Diskussionen führen.
"Was ist ein Cover?" fragte er unschuldig.
Ein wenig irritiert schaute ich ihn an. Auch mein Kollege drehte sich erstaunt um.
"Sagen Sie mir, was ein Cover ist?" forderte er mich streng auf.

Sonntag, Februar 06, 2011

Bestattungsunternehmen

Hier ein Theaterstück für einen Jugendabend:

Bestattungsunternehmen Pietät 2000 und Söhne

(junge Frau betritt ein Geschäft, Mann, übermotiviert, kommt hinter seinem Schreibtisch hervor)

Mann (reicht ihr die Hand): Guten Tag!
Frau: Tag!
Mann: Was kann ich für Sie tun?
Frau: Ja, wissen Sie… ich habe ihren Werbespot gesehen. Und ich denke, es wird Zeit, meinen Tod vorzubereiten.

Alice Miller

Hier eine Rezension, die ich für einen Kurs in der Uni geschrieben habe.

Die Diktatur der Moral

Alice Miller spricht in „Die Revolte des Körpers“ über das vierte Gebot und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft
“Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“ Dieses ist das vierte von zehn Geboten, die Mose laut dem Alten Testament auf dem Berg Sinai von Gott erhielt.

Studium

Vor etwa einem Jahr traf ich im Zug einen jungen Mann, den ich vom Sehen her kannte. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über das Studentenleben. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich die Uni nicht gerade als Ort der Erleuchtung emfpand und mich doch sehr auf die Zeit nach meinem Abschluss freute. Daraufhin antwortete er: "Warte mal ab. In zehn Jahren wirst du bestimmt zurück schauen und daran denken, wie schön es doch war."

Mittwoch, Februar 02, 2011

Das Zahlenspiel

Welch Mysterium, welche Macht sich hinter diesem Begriff verbirgt, lässt sich noch kaum erahnen. Noch sehe ich die unbeeindruckten Blicke meiner Leser vor mir und höre sie sich selbst gelangweilt fragen, mit welchem sinnlosen Beitrag ich heute ihre kostbare Zeit verschwende.
Ich wage es kaum, diese Worte niederzuschreiben.
In Harry Potter wird von dem personifizierten Bösen Voldemort nur mit dem Satz „Du-Weißt-Schon-Wer“ gesprochen aus Angst, dass die bloße Nennung des Namens die ganze schreckliche Macht entfesseln könnte.
Und so beschränke auch ich mich in diesem Beitrag auf den simplen Begriff „Das Zahlenspiel“.

Schlecht erzählte Witze

Neulich im Bus:

Proll zum anderen Proll:
Ey, ich hab 'nen super Witz. Kommen drei Neue in 'ne Klasse: Hanna, Hannes und Gurt. Sagt die Lehrerin: "Eure Namen sind mir zu schwer. Ich nenne euch anders. Hanna, dich nenne ich Johanna, Hannes, dich Johannes und Gurt, dich nenne ich Jogurt."

Ungeduld

Ich war die dritte in der Schlange. Eigentlich die zweite. Aber der nette Herr zu meiner linken hatte anscheinend Probleme, das Ende der Schlange zu finden und reihte sich unauffällig mittig ein. Tatsächlich durfte er seine Bücher dann sogar als erstes zahlen (ich habe mir den Trick abgeschaut).
Das Mädchen vor mir hatte schon vor Wochen ein Buch bestellt und wollte fragen, ob es denn noch da wäre. Sie wirkte unsicher, sprach so leise, dass man es kaum wahrnahm. Die Verkäuferin verstand nicht sofort und musste nachfragen: "Wie war der Titel?"

Wichtige Fragen

Vor etwa einer Woche passierte es. Ich schlenderte mit einem Freund durch die Marburger Oberstadt, genoss die kalte Luft und begutachtete die Schaufenster, die zu puppenhausähnlichen Läden gehörten. Immer wieder erinnerten mich die Gassen mit dem Kopfsteinpflaster und die kleinen Fachwerkhäuser an Merklin Eisenbahndörfer.
Ein Mädchen kam entschlossenen Schrittes auf mich zu. Die Haare hatte sie zu einem Zopf geflechtet und ihre Augen fixierten konzentriert einen Punkt hinter mir. Ihr Gesicht wirkte verkniffen, der Blick verfinsterte sich von Sekunde zu Sekunde.

Karneval

Letzte Woche wurde ich gefragt (ich bin so müde, dass ich fast "frug mich jemand" geschrieben hätte) , ob ich Karneval feiern würde. Völlig gefrustet vom Tag, legte ich los: Karneval sei doch das letzte, überall besoffene Erwachsene, die peinliche Köstüme tragen und nichts anderes mehr können als Rumgrölen, ich könne daran gar nichts witziges finden, ein völlig niveauloses Verhalten usw. usf.
Sehr trocken antwortete er: "Also ich bin ja Karnevalfan."

Gut, dachte ich mir. Erstmal keine unüberlegten Kommentare mehr zu Karneval.

Taxifahrer

Heute im Taxi auf dem Weg zum Gießener Bahnhof ergab sich folgendes Gespräch:

Fahrer: Ach, dann bist du ja jetzt viel zu früh am Gleis. Gehst du dann noch einen Kaffee trinken?
Ich: Nein, ich lese dann. Das ist schon okay.
Fahrer (reißt die Augen auf): Du liest?
Ich (verwirrt): Ja, genau...
Fahrer (entsetzt): Was?!... Ein Buch?
Ich (noch verwirrter): Ja, ein Buch...
Fahrer (völlig perplex): Krass!!

Gott

Heute im Bus hörte ich folgendes Gespräch:

Mann: Achja, ich habe heute meinen Chef in der Stadt gesehen.
Frau: Hm, ich weiß nicht, ob ich den überhaupt kenne. Wie sieht er nochmal aus?
Mann: Wie Gott.

Fast ironisch

Fast ironisch strahlte die Sonne
Über den Köpfen der Frauen.
Und als wäre es ihm eine Freude
Lachte er über dieses Grauen.

Sein so gleichgültiger Blick
Widerte die Frauen an.
Und das knochige Gesicht
Schien ohne Leben zu sein.

Schule

Als G. und ich gestern in der Sonne saßen, kamen wir auf verschiedene Peinlichkeiten in der Schulzeit zu sprechen.
Dabei erzählte er folgende Geschichte.
Für eine Geometriearbeit hatte er nichts gelernt und hatte das Glück neben einer guten Schülerin zu sitzen, bei der er ohne Probleme abschreiben konnte.
Er gab die Arbeit mit einem guten Gefühl ab und machte sich weiter keine Sorgen. Bis sie zurück gegeben wurde.

Krähen

Die Vogelplage nimmt Überhand.
Gerade eben habe ich auf NDR einen Beitrag über Rendsburg gesehen.
Dort gibt es zu viele Krähen.
Als ich die Bilder sah und das Vogelgekreische hörte, war ich sofort hellwach. Das interessierte mich.
Über 180 Paar Krähen haben sich in dem Stadtteil eingenistet. Die Bewohner sind ratlos. Nicht nur der Lärm macht ihnen zu schaffen, ständig müssen sie ihre Autos und Fenster putzen und auch sie selbst werden bei einem Gang in die Stadt nicht von der Vogelkacke verschont.
Sogar der Bürgermeister musste seine Jacke nach einer kleinen Fahrradtour erstmal zur Reinigung bringen.

Die Vögel

Am Samstag war es das vierte Mal. Die Vorzeichen häufen sich.

Es hat Jahre gebraucht um mich dazu zu bringen, den Film "Die Vögel" anzuschauen. Es ist nicht so, dass ich Vögel schlimmer finde als andere Tiere, nur möglicherweise häßlicher und vor allem: unberechenbarer. Während ich mich einfach weigern kann, einen Hamster oder ein Meerschweinchen zu streicheln, ist man den Vögeln in der Natur schutzlos ausgeliefert und gerade Tauben verstehen es, sich einen Spaß daraus zu machen (beim Schreiben überkommt mich ein heftiges Schütteln).

"Nichts."

Es gibt Menschen, die meinen, manchmal nichts zu denken.
Wenn man sie fragt: "Was denkst du?", antworten sie: "Nichts."
Anfangs dachte ich noch, dass sie das einfach nur sagen um ein langes Gespräch zu vermeiden oder weil ihre Gedanken möglicherweise peinlich sind.
Aber mittlerweile habe ich herausgefunden, dass sie das tatsächlich glauben.

Als Kind saß ich manchmal vor dem Fernseher und habe mir selber eine Zeit gesetzt, in der ich nichts denken wollte. Anfangs versuchte ich es mit einer Minute, doch schnell musste ich einsehen, dass ich die Zeit runterschrauben musste, wenn ich es schaffen wollte.

Einsamer Poet

Regale voll ungebundener Bücher
- der Freiheit wegen
Besoffen vom eigenen Intellekt
Bis hin zum Delirium.
Und dann fast erstickt an Einsamkeit.
Klaustrophobische Gedanken vernebeln das Gehirn,
eingeengt von zu viel Worten
Ein gescheiteter Versuch zu kategorisieren, zu ordnen, zu systematisieren.
Noch eine Zigarre
Oder lieber einen Whisky

Im Schwimmunterricht

Es gab wenige Momente in meinem Leben, in denen ich den Sportunterricht zu schätzen gewusst habe und gar keine, in denen er zu meinem Lieblingsfach hätte werden können.
Der schlimmste Teil war der Schwimmunterricht.
Warum wir gezwungen wurden morgens um acht Uhr nach einer Gruppe nackter Senioren (nackt deswegen, weil sie immer nackt in der Dusche standen und wir deswegen die Vermutung anstellten, dass sie genauso ins Becken gingen) ins ekelige Chlorwasser zu springen, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Fernbeziehung

Letztes Wochenende fand ich auf dem Esstisch bei einer Freundin die Bravo. Ihre kleine Schwester hatte ein Abo und da die gerade im Urlaub und meine Freundin auf der Toilette war, blätterte ich sie neugierig durch.
In der Mitte fand ich ein Interview mit dem Schlagzeuger von Tokio Hotel.
Auf die Frage, ob er eine Freundin hätte, antwortete er folgendes:
Leider ist er zur Zeit Single, weil er wenig Zeit für Freunde hat.

Spinne Teil II

Da war sie wieder. Am gleichen Platz, an dem ich das letzte Mal beinahe einen Mord begangen hätte. Tage und Nächte hatte mich die Sache nicht in Ruhe gelassen. Jeder Schritt durch meine Wohnung ließ mich nervös die Wände mit meinen Blicken abtasten. Aber das sollte jetzt ein Ende haben.
Mit ein paar Sätzen war ich am Schrank, kramte den Staubsauger raus (diesmal blieb alles andere drin liegen) und schloss ihn an.
Die konnte ihr blaues Wunder erleben, dachte ich mir und schlich langsam zurück. Bloß keinen Lärm machen, nicht unnötig auffallend verhalten, sagte ich mir immer wieder lautlos vor.
Haben Spinnen überhaupt Ohren? Ich meine, die haben einen so kleinen Körper, dass dafür eigentlich nicht genug Platz sein könnte. Aber sicher ist sicher. Andere Tiere können Bewegungen schließlich auch durch Schwingungen aufnehmen.

Fußballeuphorie

Als Brasilien gegen Japan gespielt hat, war ich mit ein paar Leuten in Dortmund um das Spiel dort anzusehen.
Auf der Rückfahrt saßen wir in einem überfüllten Abteil mit eingefleischten Fußballfans und doppelt so viel Bierdosen. Die Stimmung wurde immer ausgelassener, begleitet von einer wachsenden Anspannung, die durch einen aggressiven Mann ausgelöst wurde.
Mit einem Mal stand der Schaffner vor uns. Erwartungsvoll schaute er in die Runde.
Hatte er etwas gesagt? Bestimmt hatte er etwas gesagt.

Langeweile oder Wahnsinn

Auf dem Heimweg von meiner letzten Umfrage am Samstag (und nein, ich möchte nicht weiter auf den Misserfolg dieses Jobs eingehen) hielt mein Zug auch in Langenberg.
Langenberg. Ein Bahnhof, an dem man immer - ob man will oder nicht - Bekannte vom Bleiberg trifft.
Und als hätte ich es nicht geahnt wartete auf dem anderen Gleis T. (dabei sollte ich anmerken, dass ich diese Person nur T Punkt nenne um ihm nicht zu nahe zu treten - aus rein sozialen Aspekten also).
Glücklichweise kann man von außen nur sehr schlecht durch die Scheiben schauen, so dass ich ihn unbemerkt beobachten konnte. Und es hat sich gelohnt.

Spinne

Mit nackten Füßen stand ich in der Küche und rührte mir der einen Hand eine Fertigsoße zu meinen Klößen an, während ich mit der anderen schonmal die Milch zurück in den Kühlschrank räumte.
Genau in dem Moment passierte es. Ich schloss den Kühlschrank und sah gerade noch wie zwei Beinchen darunter verschwanden.
Mich überkam ein Schütteln. Woher kamen diese Viecher denn immer? Vielleicht war unter dem Kühlschrank ein richtiges Nest.
In meinem Gedanken nahm die Spinne menschliche Gestalt an. Mit Hut. Keine Ahnung, warum mit Hut. Aber es war ein schwarzer Zylinder.

Geometrie

Mehrere Zufälle hatten es ergeben, dass ich gestern völlig unerwartet eine E-Mail von einem Fotografen in meinem Posteingang fand, mit der Frage, ob ich nicht Bilder von mir schießen lassen wollte. Selbstverständlich nackt. Und um jetzt auch alle Unklarheiten zu beseitigen, möchte ich euch seine Vorstellungen von der ganzen Angelegenheit zitieren (denn zugegebenermaßen hätte ich es nicht besser ausdrücken können):

Schwebebahn

"Hallo?"
Eine männliche Stimme. So weit waren wir. Aber wo kam sie her?

Es war Dienstag abend, gegen ein Uhr nachts. Ich hatte mich mit zwei alten Schulfreundinnen getroffen, die während ihrer Semesterferien in Wülfrath waren. Nach einem sehr schönen Abend und guten Gesprächen in unserer Stammkneipe machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause.
Als erstes wurde meine Wohnung angesteuert. In dem nigelnagelneuen Auto von Denise Eltern.

Vitaminmangel

Am Dienstag hatte ich das - zugegebenermaßen - unerklärliche und plötzliche Verlangen, Vitamine zu mir zu nehmen und weil ich ohnehin auf dem Weg war, habe ich noch einen kleinen Abstecher beim Plus gemacht.
Nach langem Überlegen, ob wohl Bananen oder Äpfel gesünder sind, habe ich mich für beides entschieden, zwei Bananen in die Hand genommen und zwei Äpfel in eine Tüte gepackt.
Dann ging's weiter zum Brot. Wieder gab es Entscheidungsschwierigkeiten. Ob eine Tüte Brötchen vielleicht besser wären? Schließlich verschimmelt Brot bei mir immer so schnell, weil ich es so selten und ungern esse. Brötchen schmecken besser. Und es sind nur drei in einer Tüte. Die würde ich wahrscheinlich schon eher aufkriegen.

Montag, Januar 31, 2011

Herbstzeit

Gefühllose Härte inmitten des Lichts
Gelb oranger Schein
Eingebettet in totes Laub
Und wieder aufgewirbelt
vom tobenden Wind

Milliarden Tropfen prasseln
Auf Schwarze Schirme, die

Sonntag, Januar 30, 2011

"Es ist vollbracht"

Verfolgt von der gierigen Menge,
verspottet, verachtet, gehasst,
der giftige Kuss der sterbenden Schlange,
vom höchsten Rate gefasst.

Beschimpft, belacht und geschlagen
trug er die Schuld dieser Welt,

Mittwoch, Januar 19, 2011

Stirb Schmetterlin, stirb

Stirb Schmetterling, stirb

Kleines hilfloses Geschöpf,
kreischst schrill, schweigst still.
Friert's dich? Du frisst mich!
Träum von dir die ganze Nacht.

Schütze mich, pflege mich, hege mich.
Farbenfrohes Wesen, kleiner Akrobat.

Sonntag, Januar 02, 2011

Globen

"Fräulein?"

Ich wusste bis vor Kurzem nicht, dass dieses Wort noch gebraucht wird."Wir bräuchten mal Beratung bei den Globen..."
Ein älteres Ehepaar schaut mich auffordernd an. Ich lächel, sage "ja, gerne" und führe sie zum hinteren Regal. "Haben Sie sich denn schon einen ausgesucht?"
"Ja... also, wir wissen nicht so recht. Könnten Sie uns da nicht beraten?"
Ich lass meinen Blick über die Globen schweifen, suche mir einen aus, der mir am besten gefällt und berichte über das Offensichtliche.