Dienstag, Februar 08, 2011

Anglizismen

Heute hatte ein Kunde einen Ausschnitt aus einer Zeitschrift mitgebracht, in der für ein spezielles Buch geworben wurde. Da er es nicht auf Anhieb bei uns finden konnte, sprach er mich an und ich schaute schnell am PC nach, in welcher Abteilung es stehen sollte. Dabei stellte ich fest, dass unsere Ausgabe ein anderes Cover hatte.
"Unseres hat zwar ein anderes Cover, ist aber inhaltlich gleich." erklärte ich ihm vorsorglich, weil solche Dinge hin und wieder zu Verwirrungen und dann zu Diskussionen führen.
"Was ist ein Cover?" fragte er unschuldig.
Ein wenig irritiert schaute ich ihn an. Auch mein Kollege drehte sich erstaunt um.
"Sagen Sie mir, was ein Cover ist?" forderte er mich streng auf.

Sonntag, Februar 06, 2011

Bestattungsunternehmen

Hier ein Theaterstück für einen Jugendabend:

Bestattungsunternehmen Pietät 2000 und Söhne

(junge Frau betritt ein Geschäft, Mann, übermotiviert, kommt hinter seinem Schreibtisch hervor)

Mann (reicht ihr die Hand): Guten Tag!
Frau: Tag!
Mann: Was kann ich für Sie tun?
Frau: Ja, wissen Sie… ich habe ihren Werbespot gesehen. Und ich denke, es wird Zeit, meinen Tod vorzubereiten.

Alice Miller

Hier eine Rezension, die ich für einen Kurs in der Uni geschrieben habe.

Die Diktatur der Moral

Alice Miller spricht in „Die Revolte des Körpers“ über das vierte Gebot und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft
“Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“ Dieses ist das vierte von zehn Geboten, die Mose laut dem Alten Testament auf dem Berg Sinai von Gott erhielt.

Studium

Vor etwa einem Jahr traf ich im Zug einen jungen Mann, den ich vom Sehen her kannte. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über das Studentenleben. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich die Uni nicht gerade als Ort der Erleuchtung emfpand und mich doch sehr auf die Zeit nach meinem Abschluss freute. Daraufhin antwortete er: "Warte mal ab. In zehn Jahren wirst du bestimmt zurück schauen und daran denken, wie schön es doch war."

Mittwoch, Februar 02, 2011

Das Zahlenspiel

Welch Mysterium, welche Macht sich hinter diesem Begriff verbirgt, lässt sich noch kaum erahnen. Noch sehe ich die unbeeindruckten Blicke meiner Leser vor mir und höre sie sich selbst gelangweilt fragen, mit welchem sinnlosen Beitrag ich heute ihre kostbare Zeit verschwende.
Ich wage es kaum, diese Worte niederzuschreiben.
In Harry Potter wird von dem personifizierten Bösen Voldemort nur mit dem Satz „Du-Weißt-Schon-Wer“ gesprochen aus Angst, dass die bloße Nennung des Namens die ganze schreckliche Macht entfesseln könnte.
Und so beschränke auch ich mich in diesem Beitrag auf den simplen Begriff „Das Zahlenspiel“.

Schlecht erzählte Witze

Neulich im Bus:

Proll zum anderen Proll:
Ey, ich hab 'nen super Witz. Kommen drei Neue in 'ne Klasse: Hanna, Hannes und Gurt. Sagt die Lehrerin: "Eure Namen sind mir zu schwer. Ich nenne euch anders. Hanna, dich nenne ich Johanna, Hannes, dich Johannes und Gurt, dich nenne ich Jogurt."

Ungeduld

Ich war die dritte in der Schlange. Eigentlich die zweite. Aber der nette Herr zu meiner linken hatte anscheinend Probleme, das Ende der Schlange zu finden und reihte sich unauffällig mittig ein. Tatsächlich durfte er seine Bücher dann sogar als erstes zahlen (ich habe mir den Trick abgeschaut).
Das Mädchen vor mir hatte schon vor Wochen ein Buch bestellt und wollte fragen, ob es denn noch da wäre. Sie wirkte unsicher, sprach so leise, dass man es kaum wahrnahm. Die Verkäuferin verstand nicht sofort und musste nachfragen: "Wie war der Titel?"

Wichtige Fragen

Vor etwa einer Woche passierte es. Ich schlenderte mit einem Freund durch die Marburger Oberstadt, genoss die kalte Luft und begutachtete die Schaufenster, die zu puppenhausähnlichen Läden gehörten. Immer wieder erinnerten mich die Gassen mit dem Kopfsteinpflaster und die kleinen Fachwerkhäuser an Merklin Eisenbahndörfer.
Ein Mädchen kam entschlossenen Schrittes auf mich zu. Die Haare hatte sie zu einem Zopf geflechtet und ihre Augen fixierten konzentriert einen Punkt hinter mir. Ihr Gesicht wirkte verkniffen, der Blick verfinsterte sich von Sekunde zu Sekunde.

Karneval

Letzte Woche wurde ich gefragt (ich bin so müde, dass ich fast "frug mich jemand" geschrieben hätte) , ob ich Karneval feiern würde. Völlig gefrustet vom Tag, legte ich los: Karneval sei doch das letzte, überall besoffene Erwachsene, die peinliche Köstüme tragen und nichts anderes mehr können als Rumgrölen, ich könne daran gar nichts witziges finden, ein völlig niveauloses Verhalten usw. usf.
Sehr trocken antwortete er: "Also ich bin ja Karnevalfan."

Gut, dachte ich mir. Erstmal keine unüberlegten Kommentare mehr zu Karneval.

Taxifahrer

Heute im Taxi auf dem Weg zum Gießener Bahnhof ergab sich folgendes Gespräch:

Fahrer: Ach, dann bist du ja jetzt viel zu früh am Gleis. Gehst du dann noch einen Kaffee trinken?
Ich: Nein, ich lese dann. Das ist schon okay.
Fahrer (reißt die Augen auf): Du liest?
Ich (verwirrt): Ja, genau...
Fahrer (entsetzt): Was?!... Ein Buch?
Ich (noch verwirrter): Ja, ein Buch...
Fahrer (völlig perplex): Krass!!

Gott

Heute im Bus hörte ich folgendes Gespräch:

Mann: Achja, ich habe heute meinen Chef in der Stadt gesehen.
Frau: Hm, ich weiß nicht, ob ich den überhaupt kenne. Wie sieht er nochmal aus?
Mann: Wie Gott.

Fast ironisch

Fast ironisch strahlte die Sonne
Über den Köpfen der Frauen.
Und als wäre es ihm eine Freude
Lachte er über dieses Grauen.

Sein so gleichgültiger Blick
Widerte die Frauen an.
Und das knochige Gesicht
Schien ohne Leben zu sein.

Schule

Als G. und ich gestern in der Sonne saßen, kamen wir auf verschiedene Peinlichkeiten in der Schulzeit zu sprechen.
Dabei erzählte er folgende Geschichte.
Für eine Geometriearbeit hatte er nichts gelernt und hatte das Glück neben einer guten Schülerin zu sitzen, bei der er ohne Probleme abschreiben konnte.
Er gab die Arbeit mit einem guten Gefühl ab und machte sich weiter keine Sorgen. Bis sie zurück gegeben wurde.

Krähen

Die Vogelplage nimmt Überhand.
Gerade eben habe ich auf NDR einen Beitrag über Rendsburg gesehen.
Dort gibt es zu viele Krähen.
Als ich die Bilder sah und das Vogelgekreische hörte, war ich sofort hellwach. Das interessierte mich.
Über 180 Paar Krähen haben sich in dem Stadtteil eingenistet. Die Bewohner sind ratlos. Nicht nur der Lärm macht ihnen zu schaffen, ständig müssen sie ihre Autos und Fenster putzen und auch sie selbst werden bei einem Gang in die Stadt nicht von der Vogelkacke verschont.
Sogar der Bürgermeister musste seine Jacke nach einer kleinen Fahrradtour erstmal zur Reinigung bringen.

Die Vögel

Am Samstag war es das vierte Mal. Die Vorzeichen häufen sich.

Es hat Jahre gebraucht um mich dazu zu bringen, den Film "Die Vögel" anzuschauen. Es ist nicht so, dass ich Vögel schlimmer finde als andere Tiere, nur möglicherweise häßlicher und vor allem: unberechenbarer. Während ich mich einfach weigern kann, einen Hamster oder ein Meerschweinchen zu streicheln, ist man den Vögeln in der Natur schutzlos ausgeliefert und gerade Tauben verstehen es, sich einen Spaß daraus zu machen (beim Schreiben überkommt mich ein heftiges Schütteln).

"Nichts."

Es gibt Menschen, die meinen, manchmal nichts zu denken.
Wenn man sie fragt: "Was denkst du?", antworten sie: "Nichts."
Anfangs dachte ich noch, dass sie das einfach nur sagen um ein langes Gespräch zu vermeiden oder weil ihre Gedanken möglicherweise peinlich sind.
Aber mittlerweile habe ich herausgefunden, dass sie das tatsächlich glauben.

Als Kind saß ich manchmal vor dem Fernseher und habe mir selber eine Zeit gesetzt, in der ich nichts denken wollte. Anfangs versuchte ich es mit einer Minute, doch schnell musste ich einsehen, dass ich die Zeit runterschrauben musste, wenn ich es schaffen wollte.

Einsamer Poet

Regale voll ungebundener Bücher
- der Freiheit wegen
Besoffen vom eigenen Intellekt
Bis hin zum Delirium.
Und dann fast erstickt an Einsamkeit.
Klaustrophobische Gedanken vernebeln das Gehirn,
eingeengt von zu viel Worten
Ein gescheiteter Versuch zu kategorisieren, zu ordnen, zu systematisieren.
Noch eine Zigarre
Oder lieber einen Whisky

Im Schwimmunterricht

Es gab wenige Momente in meinem Leben, in denen ich den Sportunterricht zu schätzen gewusst habe und gar keine, in denen er zu meinem Lieblingsfach hätte werden können.
Der schlimmste Teil war der Schwimmunterricht.
Warum wir gezwungen wurden morgens um acht Uhr nach einer Gruppe nackter Senioren (nackt deswegen, weil sie immer nackt in der Dusche standen und wir deswegen die Vermutung anstellten, dass sie genauso ins Becken gingen) ins ekelige Chlorwasser zu springen, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Fernbeziehung

Letztes Wochenende fand ich auf dem Esstisch bei einer Freundin die Bravo. Ihre kleine Schwester hatte ein Abo und da die gerade im Urlaub und meine Freundin auf der Toilette war, blätterte ich sie neugierig durch.
In der Mitte fand ich ein Interview mit dem Schlagzeuger von Tokio Hotel.
Auf die Frage, ob er eine Freundin hätte, antwortete er folgendes:
Leider ist er zur Zeit Single, weil er wenig Zeit für Freunde hat.

Spinne Teil II

Da war sie wieder. Am gleichen Platz, an dem ich das letzte Mal beinahe einen Mord begangen hätte. Tage und Nächte hatte mich die Sache nicht in Ruhe gelassen. Jeder Schritt durch meine Wohnung ließ mich nervös die Wände mit meinen Blicken abtasten. Aber das sollte jetzt ein Ende haben.
Mit ein paar Sätzen war ich am Schrank, kramte den Staubsauger raus (diesmal blieb alles andere drin liegen) und schloss ihn an.
Die konnte ihr blaues Wunder erleben, dachte ich mir und schlich langsam zurück. Bloß keinen Lärm machen, nicht unnötig auffallend verhalten, sagte ich mir immer wieder lautlos vor.
Haben Spinnen überhaupt Ohren? Ich meine, die haben einen so kleinen Körper, dass dafür eigentlich nicht genug Platz sein könnte. Aber sicher ist sicher. Andere Tiere können Bewegungen schließlich auch durch Schwingungen aufnehmen.

Fußballeuphorie

Als Brasilien gegen Japan gespielt hat, war ich mit ein paar Leuten in Dortmund um das Spiel dort anzusehen.
Auf der Rückfahrt saßen wir in einem überfüllten Abteil mit eingefleischten Fußballfans und doppelt so viel Bierdosen. Die Stimmung wurde immer ausgelassener, begleitet von einer wachsenden Anspannung, die durch einen aggressiven Mann ausgelöst wurde.
Mit einem Mal stand der Schaffner vor uns. Erwartungsvoll schaute er in die Runde.
Hatte er etwas gesagt? Bestimmt hatte er etwas gesagt.

Langeweile oder Wahnsinn

Auf dem Heimweg von meiner letzten Umfrage am Samstag (und nein, ich möchte nicht weiter auf den Misserfolg dieses Jobs eingehen) hielt mein Zug auch in Langenberg.
Langenberg. Ein Bahnhof, an dem man immer - ob man will oder nicht - Bekannte vom Bleiberg trifft.
Und als hätte ich es nicht geahnt wartete auf dem anderen Gleis T. (dabei sollte ich anmerken, dass ich diese Person nur T Punkt nenne um ihm nicht zu nahe zu treten - aus rein sozialen Aspekten also).
Glücklichweise kann man von außen nur sehr schlecht durch die Scheiben schauen, so dass ich ihn unbemerkt beobachten konnte. Und es hat sich gelohnt.

Spinne

Mit nackten Füßen stand ich in der Küche und rührte mir der einen Hand eine Fertigsoße zu meinen Klößen an, während ich mit der anderen schonmal die Milch zurück in den Kühlschrank räumte.
Genau in dem Moment passierte es. Ich schloss den Kühlschrank und sah gerade noch wie zwei Beinchen darunter verschwanden.
Mich überkam ein Schütteln. Woher kamen diese Viecher denn immer? Vielleicht war unter dem Kühlschrank ein richtiges Nest.
In meinem Gedanken nahm die Spinne menschliche Gestalt an. Mit Hut. Keine Ahnung, warum mit Hut. Aber es war ein schwarzer Zylinder.

Geometrie

Mehrere Zufälle hatten es ergeben, dass ich gestern völlig unerwartet eine E-Mail von einem Fotografen in meinem Posteingang fand, mit der Frage, ob ich nicht Bilder von mir schießen lassen wollte. Selbstverständlich nackt. Und um jetzt auch alle Unklarheiten zu beseitigen, möchte ich euch seine Vorstellungen von der ganzen Angelegenheit zitieren (denn zugegebenermaßen hätte ich es nicht besser ausdrücken können):

Schwebebahn

"Hallo?"
Eine männliche Stimme. So weit waren wir. Aber wo kam sie her?

Es war Dienstag abend, gegen ein Uhr nachts. Ich hatte mich mit zwei alten Schulfreundinnen getroffen, die während ihrer Semesterferien in Wülfrath waren. Nach einem sehr schönen Abend und guten Gesprächen in unserer Stammkneipe machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause.
Als erstes wurde meine Wohnung angesteuert. In dem nigelnagelneuen Auto von Denise Eltern.

Vitaminmangel

Am Dienstag hatte ich das - zugegebenermaßen - unerklärliche und plötzliche Verlangen, Vitamine zu mir zu nehmen und weil ich ohnehin auf dem Weg war, habe ich noch einen kleinen Abstecher beim Plus gemacht.
Nach langem Überlegen, ob wohl Bananen oder Äpfel gesünder sind, habe ich mich für beides entschieden, zwei Bananen in die Hand genommen und zwei Äpfel in eine Tüte gepackt.
Dann ging's weiter zum Brot. Wieder gab es Entscheidungsschwierigkeiten. Ob eine Tüte Brötchen vielleicht besser wären? Schließlich verschimmelt Brot bei mir immer so schnell, weil ich es so selten und ungern esse. Brötchen schmecken besser. Und es sind nur drei in einer Tüte. Die würde ich wahrscheinlich schon eher aufkriegen.