Freitag, Dezember 21, 2012

Ikea und Erziehung

Es war ein gewöhnlicher Samstag Vormittag. Es war noch ruhig im Laden. In den Regalen reihten sich Buchrücken wohl geordnet aneinander, auf den Tischen lagen kleine Stapel mit Bestsellern und ich hörte das ruhige monotone Surren der Rolltreppen. Während ich an der Kasse für einen Kunden eine DVD in Geschenkpapier einpackte, beobachtete ich einen älteren Herrn mit kariertem Schal und hellem Mantel. Entspannt spazierte er durch die Reihen und begutachtete die ausgelegten Angebote. Hinter ihm entdeckte ich einen West Highland Terrier, der interessiert den alten, durchgelaufenen Teppichboden beschnüffelte. An einer der Säulen machte er kurz Halt, presste seine feuchte Nase gegen die Tapete und hob dann zufrieden sein Bein.

Mittwoch, Dezember 19, 2012

Weihnachtsplätzchen

Vor zwei Wochen kündigte meine Kollegin freudig an, dass sie am Abend Plätzchen backen würde. Zimtsterne, Marzipankekse und welche mit Anis. Das klang lecker, dachte ich. Und dass mir dafür leider die Geduld fehlte.
Am nächsten Morgen stand sie vor meinem Schreibtisch und hielt mir glücklich einen Teller mit Keksen hin. "Probier mal!" sagte sie und ich versuchte von jeder Sorte einen. Während sich der wunderbare Geschmack von Zimt, Mandeln und Vanillezucker in meinem Mund ausbreitete, spürte ich eine leichte Wehmut. Mit einem Mal stellte ich mir das Backen von Plätzchen wunderbar vor, als könnte mit dieser Tätigkeit eine längst vergessene Vorweihnachtsfreude aus der Kindheit geweckt werden. Ich malte mir aus, wie die Küche von stimmungsvoller Weihnachtsmusik erfüllt wird, während sich langsam der Geruch von frisch gebackenen Plätzchen ausbreitet. Wie ich in aller Ruhe Teig ausrolle und liebevoll Sterne und Tannenbäume aussteche.

Samstag, Dezember 08, 2012

Montag, Dezember 03, 2012

Jesus und die Könige

Heute im Bus sprachen zwei Jungs über die Heiligen Drei Könige.

"Ey, hast du schonmal von den Heiligen Drei Königen gehört? Die haben angeblich auf Jesus aufgepasst. Kennst du die?"
"Ja, warte. Ich kenn die. Das sind ..." Er stockte kurz, grübelte und hielt dann siegessicher seine Hand hoch, um mit den Fingern die Namen der Könige abzuzählen: "Nikolaus, der Weihnachtsmann ... und ... ähm ... Warte ..." Nachdenklich kratzte er sich am Kopf, wippte nervös seinen Fuß hin und her und nuschelte: "Nikolaus, der Weihnachtsmann und ..."

Sonntag, November 25, 2012

Schadensersatzforderung

Mein Hausarzt hatte mir geraten, meine Füße einmal intensiv untersuchen zu lassen, weil er eine Fehlstellung festgestellt hatte. Also vereinbarte ich einen Termin beim Orthopäden.
Im Behandlungsraum plauderte der Arzt mit mir über die typischen Krankheitserscheinungen bei Menschen, die im Einzelhandel arbeiten, und erzählte mir vom Fersensporn, den ich möglicherweise haben könnte. Mit seinen subtilen Methoden verunsicherte er mich massiv.
Auf Anweisung zog ich Schuhe und Socken aus, stellte mich gerade hin und wartete beunruhigt auf das Urteil des Arztes. Dieser beäugte meinen linken Fuß kritisch, nickte dann wissend mit dem Kopf und kritzelte gelangweilt in meiner Krankenakte herum.
Dann sagte er: "Ihr Fuß ist vorne viel zu breit! Sehen Sie mal, er hat eine ganz unnatürliche Form! Und Sie treten mit der gesamten Breite auf. Das sollte nicht so sein. Sie laufen zu viel mit den falschen Schuhen!"

Mittwoch, November 21, 2012

Diversifikation

Ich finde Elektronikmärkte in der Regel recht öde. Multifunktionsregale in tristen Farben reihen sich auf einem durchgelaufenen dunklen Teppichboden mit veraltetem Muster aneinander. Neben schwarzen Kabelvariationen werden eine erstaunliche Auswahl an Druckerpatronen, haufenweise Stecker und weitere ausschließlich praktisch und wenig ästhetisch orienterte elektronische Geräte präsentiert. An den Decken hängen grelle Rabattschilder und am Anfang jeden Ganges sind Kartons mit Sonderangeboten gestapelt.
Schon die Einfallslosigkeit der Inneneinrichtung löst in mir ein bedrückendes Museumsgefühl aus. Eine gähnende Langeweile, die auch bei der Besichtigung einer Impressionistenausstellung oder einer Porzellanfabrik Besitz von mir nimmt.

Donnerstag, November 08, 2012

Mittwoch, November 07, 2012

Räuber, Diebe geh'n auf Ganoven-Tour ...

Es war ein ungemütlicher Herbstnachmittag und ich bummelte im Nieselregen durch die Aachener Innenstadt. Die leuchtend grellen Sale-Schilder, die mir den Weg durch die Fußgängerzone wiesen, wirkten bei dem Wetter und dem grauen, nassen Kopfsteinpflaster völlig einfallslos und deplatziert. Aus den Schaufenstern starrten mich dürre in Neonfarben gekleidetete Schaufensterpuppen müde an. Ihre Körperhaltung hatte etwas verstörend Unnatürliches. Und ihre Outfits schienen die Abfallprodukte eines Bad-Taste-Wettbewerbs zu sein.
Gereizt von der modischen Begrenztheit und der miserablen Auswahl an alternativen Konsumgütern ließ ich die Einkaufspassage hinter mir und sinnierte nach dieser Niederlage über die Frage, ob ich bei meinen Shoppingversuchen mehr Kompromissbereitschaft und modische Offenheit mitbringen sollte.

Montag, Oktober 29, 2012

Freitag, September 21, 2012

Von der Erbsenzählerin ...

Als ich gestern an der Ampel wartete, gesellte sich eine junge, sehr sympathische Frau mit ihrer kleinen Tochter zu mir.

Frau: Wie war es denn im Kindergarten?
Kind: Gut!
Dann, ganz aufgebracht: Aber Mama, du hast was falsch gemacht!
Frau: Was habe ich falsch gemacht?
Kind: Ich wollte doch was ganz anderes auf mein Brot!
Frau: Ich habe dein Brot heute gar nicht gemacht. Das war doch der Papa.
Kind: Aber da war was falsches drauf!

Dienstag, August 21, 2012

Google und die Hitze

Nach einem entspannten und sonnigen Tag in Essen mit einem Ausflug in den Grugapark, einem leckeren Eiskaffee und einem Bummel durch die Fußgängerzone wartete ich nachmittags am Hauptbahnhof auf den Zug zurück nach Aachen. Die Bahn hatte schon im Vorhinein Verspätungen angekündigt, die mit dem hohen Reiseaufkommen während der Gamescon entschuldigt wurden. Unklar blieb, warum auch mein Zug mit 20 Minuten Verspätung am Gleis eintrudelte. Die Strecke von Paderborn nach Essen schien mir von der Messe in Köln nicht betroffen. Aber ich kann mich irren.
Ich stieg ein. Und obwohl es draußen bereits über 30 Grad waren, fing ich schlagartig an zu schwitzen. Keine Klimaanlage, keine Lüftung, nicht mal ein kleines Lüftchen. Die Luft stand.

Mittwoch, August 15, 2012

Gaddafis Erbe

Ich denke, ich bin sehr beliebt. Die Menschen wissen meine Generosität und Selbstlosigkeit zu schätzen und wenden sich mit ihren Problemen und Belangen gerne an mich. Täglich werde ich mit persönlicher Post bedacht, immer wieder schreiben mir Leute, die von meiner Großzügigkeit gehört haben müssen.
Die meisten E-Mails beginnen mit "Dear friend" und beinhalten Begriffe wie "Transaktion", "Auslandskonto" und "Investition". Viele dieser Menschen habe ich angeblich bei einem meiner vielen Auslandsaufenthalte in afrikanischen Ländern, an die ich mich nicht erinnern kann, persönlich kennen gelernt. Die meisten von ihnen sind mit ihrer Familie in eine Notlage geraten, müssen aus ihrem Land fliehen oder sind durch politische Ungerechtigkeiten völlig verarmt. Sie liefern die traurigsten Geschichten und bitten mich inständig, ihnen schnellstmöglich meine gesamten persönlichen Daten zuzusenden und eine Überweisung von ca. 100.000 Euro zu tätigen - für sie und ihre Kinder, die ich bei meinen Besuchen ja auch schon getroffen habe.

Donnerstag, August 09, 2012

Mit dem Bus zur Arbeit

Seit meinem Umzug fahre ich morgens mit einem anderen Bus zu Arbeit. Es fiel mir nicht leicht, meine gewohnte Linie aufzugeben. Ich fahre äußerst gerne Bus. Und ich hatte mich an die Route gewöhnt und auch meine Mitfahrer waren mir im Laufe der Zeit vertraut geworden. Jeden Morgen traf ich die gleichen, mir eigentlich völlig unbekannten Menschen. Ich lernte ihre Gewohnheiten schnell kennen, wusste, wer immer schon zu früh mit mir an der Bushaltestelle wartete und wer knapp vor der Abfahrt eintrudelte. Ich beobachtete, welche Bücher meine Mitfahrer lasen und konnte bei dem ein oder anderen zu laut eingestellten MP3-Player den Musikgeschmack des Besitzers erahnen. Ich wusste, wer seinen Platz für eine alte Person aufgab und wer scheinbar verträumt aus dem Fenster starrte, wenn jemand mit Krücken den Bus betrat. Es gab so manchen, der seine Augen schloss und ein kleines Nickerchen hielt, und andere, die gut gelaunt drauf los schnatterten, wenn sie ihre Bekannten oder Kollegen trafen.

Montag, August 06, 2012

Sonntag, August 05, 2012

Schwulitäten

Seit Anfang des Jahres steigerte sich die Anzahl meiner Beiträge stetig. Im Juni lief es dann wirklich gut. Ich veröffentlichte 8 Beiträge innerhalb von vier Wochen und war so richtig im Flow. Mein Fleiß wurde sogleich von einer erstaunlich guten Statistik belohnt. Mit etlichen Suchbegriffen landete man auf meinen Posts und jeden Tag kamen mehr Besucher auf meinen Blog.

Doch dann kam der Juli. Und nach beinahe zwei Jahren war es wieder Zeit für einen Umzug. Ich sortierte meinen Kram, mistete aus, schmiss einen Haufen unnützer Dinge weg und wickelte zerbrechliche Gegenstände genervt in Zeitungspapier. Ich wunderte mich darüber, wie wenig Bücher in einen Umzugskarton passten (3 Billyregale - teils in doppelter Reihe gelagerte Bücher - ergeben 30 Kisten) und konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern, was eigentlich gegen einen E-Reader sprach.

Sonntag, Juli 22, 2012

Friseurdesaster 95

Generell misstraue ich Friseuren. Schon das Betreten eines Salons empfinde ich als unangenehm, wenn sich gleichzeitig alle Mitarbeiter (und meist auch die Kunden) umdrehen, sobald ich den Fuß über die Schwelle setze. Während ich eine freundliche Stimme fragen höre "Was kann ich für Sie tun?", spüre ich prüfende Blicke über meinen Kopf wandern. Ich sehe, wie jede einzelne Faser meiner Haare analysiert und beurteilt wird. Wie die Frau mit dem blondierten Bob meint, ich könnte "mal was mit Farbe machen" und die Friseurin mit den braunen glänzenden Haaren mir einen abfälligen Blick schenkt und meint, dass ich "dringend eine Kur" bräuchte. Dann wird mein Outfit in Augenschein genommen. Die Augen tasten missbilligend meinen Körper ab und man einigt sich stillschweigen darauf, dass hier eine Rundumerneuerung nötig wäre

Sonntag, Juli 01, 2012

Macht

In nahezu allen zwischenmenschlichen Beziehungen spielt Macht eine Rolle - offenkundig oder versteckt. Der Mensch scheint eine perfide Lust daran zu haben, Macht auf andere auszuüben. Einige setzen sie ein, um sich in der eigenen Position sicher fühlen zu können und die Kontrolle zu bewahren. Nicht wenigen geht es dabei aber nur um die Lust, die sie empfinden, wenn sie ihr Gegenüber demütigen und erniedrigen. Manche Menschen gehen dabei mit so einem strategischen Geschick vor, dass ich mich frage, ob "Machtintelligenz" angeboren ist oder erlernt wird.

Christopher Spry, ein junger Mann, der von seiner Pflegemutter aufs Schlimmste malträtiert wurde, berichtete, dass man im Zuge der Anklage gegen seine Peinigerin auf ihrem Nachttisch Autobiografien von misshandelten und missbrauchten Kindern fand wie z.B. das Buch "Sie nannten mich Es" - quasi als Inspiration.

Donnerstag, Juni 28, 2012

Was nervt III

Wäsche aufhängen.
Der Spruch "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied".
Bot Checker, die man nicht lesen kann.
Zähne putzen.
Dass ich so oft Werbung für Viagra bekomme, die ich gar nicht gebrauchen kann.
Die Lakritztürme in der Haribo-Colorado-Packung.
Dass Kaulquappen nicht Kaulquappen bleiben, sondern sich zu Froschen entwickeln müssen.
Das Ticken von Uhren.
Die Farbkombination türkis-pink.
Dass ich keinen Swimmingpool besitze.

Sonntag, Juni 24, 2012

Lindt Pralinen

Es war kurz vor Weihnachten. Der Kaufhof in Aachen hatte den Anlass entsprechend einen Adventskalender- und Nikolausverkauf im Eingangsbereich organisiert und ich durchstöberte gut gelaunt die angebotene Ware. Nach langem Überlegen entschied mich für eine kleine Packung Lind-Pralinen und stellte mich an die Kasse.
Als ich gerade mein Portemonnaie aus der Tasche kramte, fragte mich die Verkäuferin: "Haben Sie Ihren Ausweis dabei?"
Irritiert schaute ich auf. "Ja. Warum?"
Mit gereizter Stimme belehrte mich die Frau: "Ja, da ist Alkohol drin! Die kann ich nicht einfach so verkaufen!"
Erstaunt antwortete ich: "Da ist Alkohol drin?"

Donnerstag, Juni 21, 2012

Norma

Hier in der Nähe gibt es einen Norma. Alles in allem lässt sich sagen, dass der Laden in keinem guten Zustand ist. Die Regale sind nicht aufgeräumt, auf dem Boden häufen sich klebrige Reste von geplatzten Safttüten und aus dem Lager kommt ein merkwürdiger, muffiger Geruch. Wenn der Müll im Lager seine Dünste über Nacht vollends ausbreiten konnte, stinkt morgens der ganze Straßenabschnitt nach faulen Eiern und Biotonne. Da er für mich aber auf dem Weg liegt, spring ich oft nach der Arbeit noch kurz rein, um mir die eine oder andere Kleinigkeit zu besorgen.
In diesem Supermarkt stellen sich mir zwar keine Fragen, für die ich einen Ansprechpartner brauchen würde, die schlechte Besetzung macht sich aber spätestens an der Kasse bemerkbar. Während ich - wie ich schon in sehr vielen Lebenslagen feststellen durfte - äußerst professionell mit dem Thema Langeweile umgehe, scheinen andere schnell überfordert, sobald sie ohne entsprechende Unterhaltung einmal warten müssen.

Montag, Juni 18, 2012

Was nervt II

Das Spiel "Die Siedler von Catan".
Tim Bendzko.
Knoten im Haar.
Wenn jemand einen "Latte Matsch-atto" bestellt.
Oder nur einen "Latte".
Wenn man im Bus nicht telefonieren darf.
Bootsschuhe.
Wenn man keinen Keks zum Kaffee bekommt.
Und dass bei Kaltgetränken nie Kekse gereicht werden.
Löcher im Socken.
Dass die Mode der Neunziger wieder da ist.

Sonntag, Juni 17, 2012

Bioeier

Gestern waren H. und ich einkaufen.
Eine Tüte Aufbackbrötchen in der einen und ein Glas Erdbeermarmelade in der anderen Hand, steuerte ich zielstrebig die Kühltheke an, während H. noch mit einem Sechserträger Wasser kämpfte. Auf dem Weg dorthin standen sich ein Mann und eine Frau in einem der Quergänge gegenüber.
Und sprachen über Eier.
Als ich in Hörweite war, kündigte die Frau gerade an: "Ich nehme hier die vier Bioeier." Entschlossen griff sie zu einem der Eierkartons, während ihr Freund interessiert aufschaute und empfahl: "Aber schau nach, ob die auch ganz sind." Sichtlich genervt von dieser Pedanterie verdrehte sie die Augen und schnaufte: "Oh man! Na gut!"

Donnerstag, Juni 14, 2012

Was nervt

Nur ein kleiner Auszug::

Die Frage "Was geht?"
Oasis.
Die Antwort "Muss ja."
Das Klingeln des Weckers.
Kalt gewordener Kaffee.
Rutschende Strumpfhosen.
Rosinen.
Wenn sich die Daunen in der Bettdecke ungleichmäßig verteilen.
Pfeifen.
Die Begeisterung für Paolo Coelho.

Samstag, Juni 09, 2012

Bodypump

Ein Bürojob hat viele Vorteile. Einer davon ist, dass man bei der Arbeit sitzt. Ein anderer, dass man während der Arbeit essen kann.
Für problematisch halte ich jedoch das Phänomen, dass mein Körper durch die mangelnde Bewegung sehr wenig verbrennt, mein Appetit aber ungebrochen zu sein scheint. Erst kürzlich musste ich feststellen, dass die sommerliche Leinenhose, die ich erst vor einigen Wochen gekauft hatte und die bisher nur wegen des unkooperativen Wetters noch nicht zum Einsatz gekommen war, nicht mehr passte. Wobei, um bei der Wahrheit zu bleiben, muss ich mich verbessern: Die Knöpfe lassen sich mit ein wenig Disziplin (das Ausatmen sollte man sich verkneifen) noch schließen, nur das Hinsetzen gestaltet sich schwierig - was, wo ich schon beim Thema bin, ein weiterer Nachteil eines Bürojobs ist.

Freitag, Juni 01, 2012

Lyrischer Kanon

Bisher war mir die Bedeutung meines künstlerischen Schaffens noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß bewusst. Doch heute ereilte mich ein Schreiben, das mir die Augen öffnete. Mir wurde ein Angebot unterbreitet, das meiner scheinbar unangebrachten Bescheidenheit ein Ende setzt. Mir wurde der Weg für eine literarische Laufbahn geebnet.

Ich zitiere:

"Ihr im Standardwerk ... herausgegebenes Gedicht Tief eingeatmet ist der Redaktion aufgefallen. Es ist sehr geeignet, um im Fernsehen gelesen und ausgestrahlt zu werden.

Montag, Mai 28, 2012

Rente

Jeden Morgen auf dem Weg zum Bus mache ich einen Abstecher in der Bäckerei nebenan und kaufe mir mein Mittagessen. Ich könnte mir auch einfach in der Pause etwas besorgen. Aber immer bestimmt von der irrationalen Angst, ich könnte bis dahin Hunger entwickeln und unterzuckern, sorge ich lieber vor. Es gibt noch eine weitere Bäckerei, die auf dem Weg liegt, nur einige Häuser weiter. Die Angestellten tragen witzige rot-weiß gestreifte Schürzen, die in mir ein Bild von Mary Poppins, ihrem Freund Bert und den Banks-Kindern auf dem Jahrmarkt hervorrufen. Der Universal-Künstler trug beim Ausflug ein Sakko mit dem gleichen Muster. Dort gibt es immer Körnerbrötchen vom Vortag, seltsamerweise aber nie frische. Das kommt mir verdächtig vor. Und deswegen kaufe ich immer im anderen Laden ein.

Sonntag, Mai 27, 2012

Kurioses aus Aachen

Gestern in Aachen ...

1) Vor mir lief ein Paar, etwa 40 Jahre alt. Die Frau trug ein rot-weiß gestreiftes Kleid, das an ein verlängertes Sportshirt erinnerte und für das sie trotz der Einfallslosigkeit des Designers sicher einen unverschämten Preis gezahlt hatte. Ihre blondierten Haare waren am Kinn akkuarat zu einem spießigen Bob geschnitten, der perfekt zur Sylt-Urlauber-Optik des Paares passte. Die beiden unterhielten sich über eine Termin mit einem befreundeten Ehepaar, als die Frau sagte: "Ist ja auch egal. Ihr könnt ja mal schauen. Wir Chicas treffen uns abends ohnehin im Café."

Mittwoch, Mai 09, 2012

Der Verfall der deutschen Sprache

Um Kunden die Möglichkeiten zu bieten, in einer angenehmen Atmosphäre lange und ausgiebig in den Büchern zu schmökern, hatte man in der Buchhandlung, in der ich einige Zeit beschäftigt war, mehrere gemütliche Sitzgruppen auf den Etagen platziert. Vor allem in der Schulbuchabteilung wurden diese allerdings häufig von Jugendlichen in Beschlag genommen, die die Sache mit der Schulpflicht möglicherweise nicht so eng sahen und auch kein Gefühl für Lautstärke mitbrachten. So konnte ich in auf der gesamten Etage die geistreichen Debatten und tiefschürfenden Diskussionen mithören und stellte fest, dass die Gespräche völlig ohne Präpositionen abliefen.
Als das Handy von einem der Jungs klingelte, hielt er es sich ans Ohr:

Donnerstag, Mai 03, 2012

Billard

Auf unserer Hotelanlage in Ägypten gab es einen Billardtisch. Er stand direkt neben der Bar, schien ein wenig klein und der grüne Filz hatte sicher schon einiges mitmachen müssen. Aber wir spielten trotzdem jeden Abend. Meistens gewann ich, obwohl zum Schluss noch alle meine Kugeln auf dem Tisch lagen. Meine Versuche blieben einfach so lange erfolglos bis H. die schwarze Acht versehentlich im falschen Loch versenkte und mir so den Sieg schenkte. Meine Strategie ging fast immer auf und es machte mit mehr Spaß als es vielleicht vermuten lässt.
An der Bar arbeitete immer ein Ägypter. In seinem Arbeitsanzug, der für die Temperatur sicher viel zu warm war, stand er mittags ab 12 hinter der Theke und wartete auf Bestellungen.

Sonntag, April 29, 2012

Die Saugerin

Meine Nachbarin saugt oft Staub.
Mehrmals täglich werde ich von dem gleichmäßigen Geräusch des Saugers eingelullt. Teilweise mehrere Stunden am Stück, die nur durch kurze Pausen unterbrochen werden. Nach einem kurzen Aufheulen geht es los. Ist es ein Rauschen, ein Brummen, ein Surren, ein Summen?
Sie saugt und saugt und saugt.
Ihr Hauptproblem scheint der Raum direkt neben unserem Wohnzimmer zu sein.
Da ihre Wohnung nicht im selben, sondern im Nebenhaus liegt, habe ich sie noch nicht getroffen, ich kenne weder ihr Gesicht noch ihren Namen. Vielleicht ist dies der einzige Grund, warum ich noch nie meine vier Etagen runter und ihre vier Etagen wieder raufgestiegen bin, um bei ihr zu klingeln und sie höflich zu bitten, damit aufzuhören. Vielleicht ist es auch Faulheit. Oder ich habe einfach nur Angst.

Samstag, April 28, 2012

Der Wolkenklau

Vor zwei Wochen hatte ich sieben Tage Urlaub und verbrachte ihn in Ägypten. Als das Flugzeug beim Hinflug die gewünschte Höhe erreicht hatte, bot sich mir ein beeindruckender Anblick. Wie eine gigantische Version von Frau Holles Decke lag unter mir ein Meer von strahlend weißen Wolken. Einzig der enorme Geräuschpegel in der Maschine trübte das idyllische Bild.
Ich musste an eine Geschichte aus meiner Kindheit denken.

Lange Zeit hatte ich angenommen, Wolken würden mit einem komplizierten System in großen Fabriken hergestellt werden, um dem Himmel eine gewisse Ästhetik zu verleihen.

Sonntag, April 01, 2012

Sonnenstrahlen

Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen in diesem Jahr packte ich meine Decke unter den Arm und ging in den Park. Kaum hatte ich es mir auf der Wiese gemütlich gemacht, setzte sich ein Mann hinter mich, den ich unter normalen Umständen wohl "Obdachloser" nennen würde. Doch eigentlich weiß ich gar nicht, ob diese Leute tatsächlich ohne Obdach sind. Es gab nur einige Hinweise, wie seine ausgebeulte Hose, das schmuddelige Hemd, der Dreck unter den Fingernägeln, die langen fettigen braunen Locken und der Drei-Tage-Bart, der sicher schon mehr als drei Tage vor sich hin wuchs. Kurze Zeit später, stieß ein (ähnlich ungepflegter) Freund zu ihm.

Sonntag, Februar 26, 2012

Stolze Patin

Schon länger hatte ich mit dem Gedanken gespielt und im Januar war es endlich so weit. Nach einer ausführlichen Besichtigung des Geländes und einer kurzen Schulung, bei der ich viel über die verchiedenen Möglichkeiten lernte, sich eine Bisswunde zu holen, gab ich meine Unterschrift ab und wurde offiziell Patin im Tierheim. Ich habe nicht nur die Möglichkeit, die Institution finanziell zu unterstützen, sondern kann auch auch bei Aktionen helfen oder mich mit um die Tiere kümmern. Im Katzenhaus können Katzen gestreichelt werden und im Kleintierbereich die Kaninchen, Hasen und Meerschweinchen. Außerdem müssen Hunde ausgeführt werden. Und das wollte ich machen. Schon im Vorhinein konnte ich auf der Internetseite einiges über die Lebensgeschichten der kleinen Flausch-Bewohner erfahren. Einige wurden abgegeben, viele wurden einfach nur gefunden.

Sonntag, Februar 12, 2012

Krank

Nach meinem schillernden Online-Auftritt vor zwei Wochen und den damit verbundenen guten Schreib-Vorsätzen wurde ich erstmal krank. Acht Tage lag ich mit einer Grippe im Bett. Alle paar Stunden gab es verschieden farbige Tabletten für meine vielen Wehwehchen, zu jeder Mahlzeit knabberte ich ein paar Zwiebäcke und nippte am selten öden Pfefferminztee und kämpfte mit meinen letzten Kräften gegen die bittere Kälte. Mein kleiner Gasofen heizte von morgens bis abends und scheiterte doch an den Temperaturen. Also half ich mit Decken, Wärmflaschen, Heizkissen und Radiator nach.

Sonntag, Januar 29, 2012

Neuer Header

Nun bin ich wieder bei Blogspot.
Was nach mangelnder Beständigkeit oder gar nach Sprunghaftigkeit aussieht... ist es auch. Nachdem ich einige Monate glücklich bei Wordpress zu Hause war und mich über die Benutzerfreundlichkeit und die Zusatzunktionen freute, musste ich leider feststellen, dass bei jeder - angeblich notwendigen - Aktualisierung meine vorher vorgenommenen Einstellungen gelöscht wurden.